Brasilien und Linux

Irgendwas mache ich falsch – ich lebe im falschen Land, glaube ich.

Wie der imaginäre Leser sicherlich noch weiß, habe ich gewisse Ansprüche an eine geeignete Linux-Distribution für mich:
Sie sollte halbwegs aktuell sein, KDE einsetzen, relativ häufig in einer neuen Version rauskommen und sinnvolle Konfigurationswerkzeuge mit sich bringen, die zentralisiert erreicht werden können und in KDE eingebunden sind. Außerdem mag ich rpm mehr als deb und kann dort auch Pakete verwalten und bauen.

So lange es keine für mich passende gibt, setze ich Fedora mit dem Zusatz kde-redhat ein. Der Nachteil liegt aber dort auf der Hand: die Konfiguration erfolgt nicht über eine zentrale Schnittstelle, die schon gar nicht in KDE eingepasst ist…

Hinzu kommt zu dem allem noch, dass seit dem Kauf von SUSE durch Novell die letzte ernstzunehmende Linux Distribution aus Deutschland Knoppix heißt, deren Wurzeln auch nicht gerade in Europa sind.

Nun war mir vor geraumer Zeit mal aufgefallen, dass sich am Horizont eine brasilianische Distribution anschickt, den Markt wenigstens dort aufzuräumen – mit KDE und integrierter und zentraler Konfiguration – Kurumin Linux, welches einen guten Eindruck macht.
Gut, es ist schön, wenn ein Land eine eigene Distribution hat (solange alle notwendigen Standards eingehalten werden, hat es ja keine nachteile), jedoch treibt es einem die Tränen in die Augen, wenn es gleich mehrere davon gibt:
Auf OSDIR entdeckte ich nun weitere Screenshot Galerien!
Sie scheinen alle auf einem ähnlichen Framework von Werkzeugen aufzubauen, das in KDE integriert und zentral zu sein scheint – sowohl BIG Linux (Screenshots) als auch Kalango Linux (Screenshots) machen einen sehr guten Eindruck.
Warum gibt es so was nicht auch hier?

Früher gab SUSE mal das Maß an für Benutzerfreundlichkeit und problemlose Konfiguration – auch wenn es vielen nicht gefiel, so war SUSE vor allen Dingen einfach und unkompliziert zu bedienen.
Um ganz ehrlich zu sein gehen überraschend viele Schmähberichte gegen SUSE darauf zurück, dass die Autoren einige Werkzeuge nicht verstanden haben (als Beispiel seien all die Schmähberichte gemeint, die meinen, Yast könne nicht mit Abhängigkeiten umgehen).

Hinzu kommt, dass Deutschland lange Zeit als führend in Sachen Open Source Software galt – es bleibt zu befürchten, dass es diesen Platz langsam aber sicher an Südamerika, allen voran an Brasilien, verlieren könnte.
Und da Open Source Software auch gleich ein (gerne unterschätzter) Wirtschaftsfaktor ist, sollten mehr Kräfte daran arbeiten, bei Open Source Software ganz oben mitzuspielen.
Eine Initiative der Regierung, die klar offene Standards vorschreibt wäre da ein Anfang, der von der reinen Logik eines Staates als von Firmen unabhängiges Element nicht falsch wäre, und der als Nebeneffekt die Förderung von Wettbewerb und damit auch die Förderung von Open Source mit sich bringen würde.

Und außerdem wäre es nicht schlecht, wenn es neben Mandriva (ehemals Mandrake) noch eine andere Europäische Distribution geben würde, die am besten auch noch alle meine Ansprüche erfüllt😉