Ein Blick in die Zukunft

Kategorie: Lach- und Sachgeschichten

Wie der imaginäre Leser vielleicht noch weiß, dienen die Lach- und Sachgeschichten bei mir vor allen Dingen der Möglichkeit, eigene Ideen und Gedankenspiele auszuformulieren und in Worte zu kleiden, um sie so besser vor Augen zu bekommen.

Hier sollte also nichts zu ernst genommen werden – im besten Falle wird man in einigen Jahren darüber lachen können, wie falsch ich doch lag 🙂

Nun aber zum Thema:

Seit geraumer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie Netzwerktechnik in Bezug auf Computer in einigen Jahren wohl aussieht. Dass der Computer als sichtbarer grauer Kasten dann aus unserem Leben verschwunden sein wird, setze ich mal voraus. Auch, dass in jedem Haus, wie ein Warmwasserbioler, irgendwo eine kleine, zentrale Recheneinheit steht, welche als Schnittstelle z.B. den “Fernseher”, die “Stereoanlage” (in wie weit diese Bezeichnungen mit der heutigen Bedeutung dann noch zutreffen, ist eine andere Sache) und andere Dinge mit Daten versorgt – bis hin zum Kühlschrank, der die Datenbank mit den zu kaufenden Dingen füttert.

Es wird auch so sein, dass man sich nicht mehr an einzelnen Computern einwählt, sondern überall auf der Welt einloggen kann – mit dem Ergebnis, dass man seine gewohnte, heimische Oberfläche und seine Daten zur Verfügung hat.
Im Prinzip ist dies heutzutage schon in Firmen und großen Einrichtungen realisiert.

Doch wie kann man das voran treiben? Wie kann man das noch besser, internationaler, realisieren?

Eine interessante Realisierung lieferte nun eine Veröffentlichung der Slax Live-CD: die neue Version 5 speichert wichtige Daten auf einem zentralen Server, die von dort regelmäßig wieder abgerufen werden können.

Gut, die Nachteile liegen natürlich auf der Hand: ohne Internetzugang bringt das alles nichts, 8 MB sind reichlich wenig, die Daten würden auf einem fremden Server in fremder Hand liegen und man muss ständig eine Live-CD mit sich rumtragen.
Und um den letzten Punkt auszuschalten, müsste man alle Betriebssysteme angleichen, was gerade die Open Source-Bewegung nicht wollen würde.

Doch wenn man den Gedanken weiterspinnt, ergibt sich ein halbwegs realistisches Szenario:
In Zukunft wird jeder Rechner standardmäßig vernetzt sein – es ist sogar gut möglich, dass die Menschen zukünftig nur noch an Thin Clients arbeiten, die Hauptrechenarbeit also eh von anderen Maschinen irgendwo anders erledigt wird – nur die graphische Ausgabe und die Kommunikation mit dem Rechenknecht muss dann noch von dem Rechner vor Ort erledigt werden.
Hinzu kommt, dass immer mehr Rechner über das Netzwerk booten können – spinnt man dies weiter, könnte es sein, dass zukünftig jeder Rechner in eine Art Ladeprogramm startet, in welches man nur eine Adresse eingibt, um das passende Betriebssystem von der passenden Stelle zu bekommen.
Dieses fragt dann nach Nutzernamen und Passwort, und schon sitzt man vor einem Computer, als wäre man zu Hause.

Die Speicherung der Daten sehe ich dabei eigentlich als geringstes Problem: es stehen hochwertige Verschlüsselungsverfahren zur Verfügung, welche auch eine entfernte Speicherung ermöglichen.

Eine (in naher Zeit realistische) Weiterführung der Idee der Slax-Entwickler würde demnach so aussehen, dass z.B. die Daten, welche auf den Server überspielt werden, vorher auf dem Client live verschlüsselt werden.
Oder aber, einen Schritt weitergehend, dass vom Server aus gleich eine ganze Partition zur Verfügung gestellt wird – diese könnte dann als verschlüsselt eingehängt werden, und würde alle wichtigen Daten enthalten.
Dabei muss ich gerade daran denken, dass man z.B. mit dmcrypt Partitionen direkt verschlüsseln kann. Gut, die Größe wäre dann von vornherein festgelegt, aber ein erster Versuch wäre es allemal, um die Technik zu testen.
Und im Zweifelsfall müsste man dann, wenn der Platz eng wird, eine zweite, größere Platte einhängen, die Daten übertragen, und nächstes Mal die zweite statt der ersten an passender Stelle einhängen.

Hm, was mir gerade auffällt: eventuell hat dann später jeder eine kleine Chipkarte, auf der die wichtigsten Informationen drauf sind: die steckt man dann in jeden beliebigen Rechner rein, der dann durch diese Informationen weiß, woher er welches Betriebssystem lädt, welcher Nutzer angemeldet werden soll, und wo er die privaten Daten herbekommt.
Dafür wär es ausreichend, wenn man das in jedem Rechner verbaute Bios etwas aufbohrt und mit einigen Zusatzfunktionen ausstattet – es muss ja nur fähig sein, die Karte zu lesen, und das Betriebssystem zu laden – und es sollte gut aussehen, damit jeder damit klar kommt 🙂

Ich bin mal gespannt, wann sich da welche Technik etablieren wird – und wann ich damit rumspielen kann 🙂

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Neues am Horizont

Kategorie: KDE

(Ja, mir fehlen die alten Kategorien 😉 ).

Wie der geneigte, imaginäre Leser weiß, vermisse ich unter KDE vor allen Dingen Distributions-unabhängige Programme, welche mir eine einfache Konfiguration meines Systems bieten.
Sicher, es gibt einige Möglichkeiten und Ansätze, aber wer mal ksysv gestartet hat, der weiß, dass es mehr Ansätze sind als alles andere.
Somit ist dies ein Thema, was mich immer etwas im Hintergrund beschäftigt.

Ein anderes Thema, was mich zur Zeit stark einnimmt, sind Such-Werkzeuge für den Desktop. Bekanntlich wurde die Schlacht darum erst so richtig von Google eingeleitet – es folgten Werkzeuge von Yahoo, Microsoft, der Telekom und anderen.
Linux blieb dabei etwas im Hintergrund, was mich damals sehr enttäuschte – statt zu zeigen, dass dieses Feld auch mit Open Source erschlossen werden kann, gab es kaum ernstzunehmende Ansätze auf diesem Gebiet.

(Dabei bin ich mir der Tatsache Bewußt, dass mich niemand davon abhält, etwas eigenes zu starten, nur kann ich das nicht, und setze deswegen meine Fähigkeiten in anderen Bereichen in Sachen Open Source ein.)

Aus dieser Ausgangssituation heraus war ich sehr neugierig, als ich plötzlich zwei neue Programme auf KDE-Apps entdeckte: Kat und Guidance.
Das erste der Beiden hat sich das Ziel gesetzt, eine Desktop-Suche für KDE anzubieten, das zweite Projekt will KDE um Systemwerkzeuge erweitern – ein doppelter Volltreffer quasi.

Zwar hatte ich vorher einige Desktop-Such-Versuche mit Beagle gemacht, und mein System ordentlich mit den Distributions-Werkzeugen verwaltet, doch waren die jeweiligen Ergebnisse unbefriedigend oder gefielen mir schlicht und einfach nicht.

Demgegenüber stehen nun die beiden KDE-Projekte, welche sich mehr als nur gut anhören:
– guidance wird sich in kcontrol einbetten und soll eine einfache, KDE-native und vollständige Systemverwaltung gewährleisten
– kat wird auf KDE-eigene Strukturen zurückgreifen (kfiles) und später vielleicht sogar ein KIO Slave werden

Wenn ich also etwas weiter plane, habe ich dann demnächst einmal KDE-Werkzeuge, um die Anzeigeeigenschaften, die Partitionsverwaltung, die Nutzerverwaltung und die Systemdiensteverwaltung zu erledigen.

Außerdem kann ich als normaler Nutzer meinen Desktop untersuchen und mich dabei darauf verlassen, dass die Dateien ähnlich dursucht werden, wie ich es tun würde unter KDE.
Außerdem, ausgehend davon, dass sich dass Programm dann durchsetzen wird, werden weitere native KDE-Anbindungen geschaffen, mit denen ich z.B. bei der Suche auch die Digikam-Metadaten (wie Zuordnung der Bilder zu Gruppen) und Kopete-Logs durchsuchen kann.

Tja, der einzige dunkle Schatten bei der Sache ist, dass ich Guidance nicht bauen kann, weil das dafür benötigte PyKDE noch nicht gegen KDE 3.4 gebaut werden kann, und dass ich Kat nicht testen kann, weil das eine sqlite3 Datenbank braucht, die ich unter Fedora Core 3 noch nicht habe – bleibt es also, abzuwarten, welche Lösungen sich da ergeben, alles von mir getestete brachte noch nichts verwertbares zu Tage…

Kleine Wunder: der vlc

Ich möchte der Tradition meines alten Weblogs folgen, und die Reihe kleiner Wunder fortsetzen: sie sollen kleine Wunder der (Open Source) Software vorstellen, die zwar nichts überragendes wie ein Betriebssystem oder eine Office-Suite darstellen, die aber in ihrer kleinen Nische nahezu unschlagbar sind, und das Leben eines Jeden erheblich vereinfachen können.

Den Anfang mache ich in diesem Weblog mit dem vlc, dem Videolan Client (Wikipedia-Artikel, Homepage).
Dieser wurde Ende der Neunziger Jahre von einer Gruppe französischer Studenten unter der GPL entwickelt und ist hochgradig portabel: er läuft unter Windows, Linux, BeOS, MacOS, etc., und kann nahezu jedes bekannte Format abspielen.

Wenn auch das Interface recht hässlich ist, so ist die Funktionsvielfalt gewaltig: neben nahezu allen bekannten Videoformaten kann der Player auch Streaminginhalte bereit stellen oder empfangen.
Und er bringt die zum angucken verschiedenster Formate benötigten Bibliotheken selbst mit – das umständliche Runterladen und Zusammensuchen von Codecs entfällt.

Dies sorgt dafür, dass ich mittlerweile jedem Rechner, vor dem ich sitze und den ich einrichten soll (und das sind nicht wenige), diesen Player aufpsiele und den Leuten kurz erkläre, was das ist.
Denn irgendwann werden sie von Freunden oder anderen Wesen eine CD mit Filme in einem obskuren Format bekommen, und der Player wird sie abspielen können. Und das ist viel wert.

Außerdem bietet der Player die Möglichkeit, die Windowswelt um ein weiteres Stück Software zu erweitern, welches bei einem Umstieg auf andere Plattformen nicht fehlen würde….