Shutdown

Die letzten Befehle werden eingetippt, das letzte Update läuft durch … ich checke noch mal, ob alles übertragen wurde … der letzte Blick in die Einstellungen, die Konfiguration …
Dann: der letzte Login, das letzte mal prüft der Server, ob der Nutzer dies auch darf, Schlüssel werden getauscht, ein Login gewährt.

Still wartet ein weißes Kästchen auf die Eingabe, wie so häufig … es folgt ein su –, ein Kennwort wird verlangt und gegeben, und wieder wartet das weiße Kästchen.

Es war eine lange, schöne Zeit, mit vielen Höhen und für mich extrem viel Erfahrung – und doch, auch dies muss mal ein Ende haben…

shutdown -h now

Treu ergeben führt er diesen Befehl aus, der ihn selbst der Stille übergeben wird – ein letztes aufheulen der Festplatten, ein letztes mal wird der Prozessor ausgelastet, als alles für eine lange Ruhephase zurecht gemacht wird.
Dann schaltet sich der Strom ab.

Der Lüfter dreht sich immer langsamer, dem unausweichlichen Stillstand entgegen, und damit herrscht im Flur das, was dort schon seit einem halben Jahr nicht mehr herrschte: Stille.

Damit verabschiedet sich mein treuer Server, Freund des Backups und der Massenspeicherung, Testfeld für meine ersten Erfahrungen mit CentOS und Rechenknecht.

In diesen Tagen gibt es für mich viele Abschiede, und auch wenn ich diesen Text über den Server geschrieben habe, ist mir das eigentlich egal, dass der eingemottet wird. Es gibt andere Abschiede, die bedeutend schwerer fallen, nur fehlen mir dort wie Worte… :-/

Community am lebenden Exemplar

Immer wieder wird gesagt, dass die Community bei Open Source so wichtig ist, dsas sie alles bewegt, dass man es sich mit ihr nicht verscherzen sollte, etc.

Aber was genau ist die Community? Wie genau schafft Community Mehrwert, was bewirkt sie, und warum macht sie das alles umsonst?

Da ich in den letzten Tagen bei mir selbst beobachten konnte, wie Community wirken kann, will ich versuchen, eine Handvoll Fragen zu beantworten.

Neben den großen, sichtbaren Projekten, in denen große Mengen von Entwicklern und Nutzern Dinge bewegen wie bei SpreadFirefox gibt es noch die kleinen Gruppen, die still für sich, von den meisten Menschen unbemerkt, ihr Süppchen kocht, sich gegenseitig hilft, und so eine kaum zu überschauende, aber sehr feste Basis bilden, auf die sich unbedarfte Nutzer immer wieder verlassen, bis sie selbst Teil davon werden.

Einer dieser Gruppen gehöre ich an: als exzessiver Fedora Core Nutzer lese und schreibe ich immer wieder viel im Fedoraforum herum. Dort kam man dann überein, gesammeltes Wissen und geschriebene Anleitungen in ein Wiki einzupflegen. Eine Idee, welche bei mir sofort auf helle Begeisterung stieß!

Nachdem dann irgendwann die meisten Grundlagen ausreichend behandelt worden waren, ging ich dazu über, Informationen einzupflegen, die ich selbst irgendwann wieder brauchen würde. Zu erst entstand dadurch der Artikel RHEL-Alternativen. Ich wusste, dass ich irgendwann so eine Liste brauchen würde, und erstellte sie, als ich gerade die Zeit und das Wissen hatte. So brauche ich mir nur merken, wo ich die Liste in etwa finde, den Inhalt kann ich wieder vergessen, habe ihn aber durch die Reproduktion zusätzlich noch mal tiefer im Gedächtnis verankert.

Später kamen dann Themen im Forum auf, welche nach dem Abschluss der Diskussion nur noch ins Wiki gegossen werden mussten – da ich wieder mal wusste, dass diese Sachen für mich noch einmal wichtig sein werden, entschloss ich mich, sie ebenfalls ins Wiki zu pflegen, damit ich sie dann zum gegebenen Zeitpunkt dort wieder finde. So entstanden die Artikel Backups und Verschlüsselte Festplatten.

Also, um es genauer zu sagen: eigentlich alles nur Eigennutz: ich wusste, dass andere ebenfalls ein Interesse an den Artikeln haben, entwarf sie also so weit, wie ich es konnte, und andere taten ihren Teil dazu. Jeder eigentlich nur aus purem Eigennutz – aber warum auch nicht, wir haben ja alle ein vergleichbares Ziel, und können problemlos zusammen arbeiten.

Mittlerweile hat es sich bezahlt gemacht: mein Server läuft auf einer stabilen RHEL-Alternative, CentOS, meine externe Festplatte ist mit cryptsetup-luks verschlüsselt, und ich habe eben mein Home-Verzeichnis mit rsync dorthin geschrieben.

Und das alles nicht ohne meine eigene Arbeit, aber auch nicht ohne die Arbeit der anderen Helfer.

Community ist also nicht eine Gruppe von altruistischen Wesen, die nur das Glück anderer wollen, sondern es sind interessierte und neugierige Menschen, die genau wissen, dass sie zusammen weit mehr erreichen, als alleine, und deswegen zusammen arbeiten.
Im Rahmen dessen schaffen sie immer mehr Dinge, die sie für sich haben wollen – sei es aus einer Notwendigkeit heraus, sei es, weil sie es aus Interesse oder Neugierde erschaffen.

Und es funktioniert sehr gut so – Intelligenter Egoismus, quasi 🙂

Linux Small Business Server

Ich habe gerade einen sehr interessanten Artikel über einen Linux Small Business Server gelesen.
Und da ich diesen Link zu dem Server nicht vergessen wollte, poste ich ihn hier mal.

Was so interessant ist an dem Server: er kann vollständig und sehr, sehr komfortabel über eine Weboberfläche administriert werden, und bietet eine Vielzahl an wichtigen Diensten an.

Alles in allem sieht die Distribution sehr vielversprechend aus, wenn man mal in die Verlegenheit kommt, einen zentralen Server in einem Firmennetzwerk aufzusetzen – oder aber auch einen Rechner aufzusetzen, der die Verbindung mit der Außenwelt überwacht, Webseiten bereit stellt oder E-Mails verwaltet.

Und, was ihn mir natürlich besonders sympathisch macht: die Oberfläche ist sehr benutzerfreundlich, einfach und übersichtlich gehalten, so dass er auch entweder von einem nicht-Computerversierten Anwender konfiguriert werden kann – oder aber von jemanden, der zu faul ist, alles selbst zu machen, also von jemanden wie mir 😉

Mobiltelefon und Linux

Da mein Vertrag gerade abläuft, und ich mein altes Mobiltelefon eh ersetzen wollte, habe ich wieder angefangen, mir Gedanken über Mobiltelefone und Linux zu machen. Wie gut kommen die miteinander aus? Was ist mit Synchronisation? Wie kann man sie zusammen schließen?

Da ich mit meinem Laptop eh nur auf Infrarotadapter oder Bluetooth zurückgreifen kann, fiel die Wahl auf einen Bluetoothadapter. Dieser kann in einen kleinen Schacht auf der Unterseite des Laptops (Cebop Top 900)eingebaut werden, wenn der Stick klein genug ist – oder man dessen Gehäuse entfernt 🙂
Es war bei mir dann ein Yakumo Stick mit einem Broadcom Chipsatz, den ich dort verbaute. Dieser wurde auch problemlos vom Kernel anerkannt (Fedora Core 3).

Nach anfänglichen Schwierigkeiten (sdpd muss laufen, für den konnte ich bisher aber noch kein chkconfig skript erstellen) bin ich jetzt so weit, dass ich mit kbluetoothd unter KDE BlueTooth Geräte erkennen und identifizieren kann.

Der Zugriff auf mein altes Siemens S55 war damit ebenso prinzipiell möglich wie auf das neue Samsung SGH D500.

Was leider nicht wie erwartet funktionierte, war ein Austausch der Adressdaten mit meinem Adressbuch – auch wenn ich die Adressen dort im Standard-Adresskartenformat 2.1 exportierte, mochte das Handy diese nicht problemlos annehmen.
Statt dessen aber funktioniert das senden von beliebigen Daten vom Handy an den Rechner (ein schöner Dialog, etc.) und auch zurück. Damit übertrug ich die Daten vom S55 auf den Computer und dann wieder auf das D500.

Auch die Übertragung von Musik-Dateien oder anderen Dingen war so kein Problem, obwohl es etwas danach aussieht, dass das Samsung D500 nur dann Dateien annimmt, wenn es damit auch was anzufangen weiß (Bilder, Musik, etc.) – ein Übertragen der wichtigsten Dokumente auf dem immerhin 95 MB großen Speicher fällt damit erst mal weg.
Ab und an funktioniert die Datenübertragung nur in eine Richtung – warum auch immer. Schade, aber ich bin guter Dinge, dass sich das Problem mit der Zeit gibt, z.B., wenn ich FC4 auf meinem Rechner installiert habe. 😉

Fehlt noch das passende Hintergrundbild mit einem Pinguin, dann bin ich zufrieden 🙂

Smart Package Manger

Immer auf der Suche nach einer Lösung der leidlichen Installationsfrage bei Linux bin ich nun auf ein Programm gestoßen, dass zwar noch in der Entwicklungsphase ist, aber interessante Ansätze mit sich bringt:

Der Smart Package Manager ist ein Frontend, dass die Paketverwaltung übernimmt und dabei mit den Distributionseigenen Werkzeugen arbeiten kann. Dazu gehört, dass er sowohl mit rpm als auch mit dpkg umgehen kann, und dazu gehört auch, dass er auf verschiedenste Paketquellen wie die von Yum, urpmi, apt/rpm, abt/deb, etc. zurückgreifen kann.

Das vollständig über Kommandozeile nutzbare Programm bringt auch eine grafische Oberfläche mit, was gerade Anfängern den Umgang mit einem solchen Programm vereinfacht.
Ebenso gibt es bereits erste Zusatzprogramme wie z.B. ein Systemtray-Applet, das über verfügbare Updates informiert.

Die theoretischen Vorteile des Programms liegen laut der Aussage der Entwickler darin, dass es Abhängigkeiten deutlich besser auflösen kann als viele andere Werkzeuge, da deren Algorithmus für sehr einfache Strukturen ist, der von SmartPM aber auch komplexe Abhängigkeiten erledigen kann. In wie weit sich dieser Vorteil in der Praxis allerdings auswirkt, ist eine andere Sache.

Die praktischen Vorteile gegenüber dem von mir sonst genutzten Yum liegen vor allen Dingen in der Geschwindigkeit des Programms: Während Yum recht lange braucht, um einen Arbeitsschritt durchzuführen, arbeitet SmartPM deutlich schneller und kann nebenbei auch noch mehrere Dateien gleichzeitig runterladen.

Hinzu kommt, dass einige Funktionen bereits in der grafischen Oberfläche nutzbar sind, und nicht erst in den Konfigurationsdateien in der Kommandozeile: so ist man nur einen Mausklick davon entfernt, Pakete vom Update auszusperren, Pakete zu “downgraden” oder aber Prioritäten bei Paketquellen zu setzen.

Was zur Zeit noch fehlt, aber verhältnismäßig leicht implementiert werden könnte wäre eine Im- und Exportfunktion für Paketquellenkonfigurationen.
Auch fehlt mir zur Zeit noch die Möglichkeit, reine FTP-Verzeichnisse als Quellen anzugeben. Auch wenn das erfordern würde, dass man ganze Verzeichnisse lokal spiegelt, wäre das in einigen Fällen doch sehr nützlich.
Ebenso würde es sich als nützlich erweisen, wenn SmartPM die Möglichkeit mitbringen würde, Updates erst einzuspielen, wenn z.B. der X-Server neu gestartet wird, der Rechner neu bootet, oder ähnliches.

Würde SmartPM dann auf Dauer noch ein eigenes Paketformat zur Installation mitbringen und das für alle Distributionen verfügbar machen, wären wir alle Glücklich. 😉
Wer sich für die Thematik allerdings etwas mehr interessiert, sollte mal einen Blick auf das Projekt autopackage werfen, dass einen sehr vielversprechenden Eindruck macht – wenn ich auch leider bisher von noch niemanden gehört habe, der es wirklich nutzt :/
Eventuell schreibe ich dazu später mehr, da autopackage einige sehr interessante Funktionen mit sich bringt 🙂

So oder so aber ist SmartPM sicherlich einen Blick wert, gerade für Jene, denen bis jetzt keine grafische Oberfläche für ihre Distribution so richtig gefallen hat, oder die häufiger mit Abhängigkeiten zu kämpfen haben, die sich eigentlich lösen lassen würden, wenn die Programme intelligent genug wären 🙂

Tux, übernehmen sie

An einem der vergangenen Tage fiel mir ein Zettel an einem schwarzen Brett ins Auge, der nach Hilfe suchte: eine Windows-XP Installation wollte nach der Deinstallation des Software-Updates nicht mehr, und auch von einer parallel-Installation konnte nicht mehr auf die Daten zugegriffen werden.

Gut, man erweitert immer gerne den eigenen Erfahrungsschatz, außerdem wird die Welt ein klein wenig besser, wenn sich alle gegenseitig helfen – und eventuell ist das Problem ja ganz interessant.

Eine SMS und ein Anruf später kam dann der geplagte Unwissende mit seinem Laptop zu mir und erzählte das Problem noch einmal.
Nachdem ich mir versichern ließ, dass die Daten nicht verschlüsselt seien (er wusste es nicht, also ging ich davon aus, dass die Option nicht angeschaltet war), versuchte ich es mit Knoppix – Fehlanzeige, es schaltete den Computer mitten im Bootvorgang aus, einige übliche Kerneleinstellungen brachten mich auch nicht weiter.
Aber gut, wer was auf sich und seine Linux-Kenntnisse hält, hat mehr als eine Linux-Live-CD im Haus. Suse 9.1 schaffte es dann auch, komplett zu booten und brachte mir einen Kernel mit, der ntfs lesen konnte.

Aber das interessanteste (neben der dann folgenden, unspektakulären Datenrettung) war eigentlich der Kommentar des Hoffnung schöpfenden Windows-Nutzers:
“Was ist das denn? Macht ja einen ganz netten Eindruck, die Oberfläche, sieht gut aus”. So oder so ähnlich wurde die Live-CD von Suse honoriert.

Es zeigt sich also, dass zumindest die erste Oberfläche von Linux auch bei absoluten Neulingen positive Überraschungen hervorrufen kann!
Sicher, ein aktuelles Fedora Core sieht nicht gerade umwerfend aus, doch schon ein Ubuntu kann mit angenehmen Farbtönen überzeugen, und bei Suse merkt man, dass man sich dort auf den Otto-Normalnutzer eingeschossen hat.

Damit steht zwar noch nicht die totale Desktop-Revolution ins Haus, jedoch zeigt sich, dass der Kampf auch noch nicht von vornherein verloren ist, wie einige nur zu gerne aufzuzeigen versuchen.
Meiner Meinung nach wird der Kampf erst noch entschieden, und Schwerpunkt bilden damit, so weit es bisher abzusehen ist, einmal natürlich die Integrität in bestehende Multimediakonzepte (Kommunikation mit Videorecorder, Musik-Anlage, tragbarem Musik-Player, etc.), die Flexibilität im Umgang mit Office-Lösungen und -Dokumenten und aber auch das Look&Feel beim Umgang mit dem Rechner selbst, also die Oberfläche für den Rechner und der Umgang mit Dateien.
Und dabei beruhigt es mich, zu sehen, wie unbelastete Menschen Linux angenehm finden 🙂