Wenn man keine Ahnung hat, …

Manchmal stört mich eine bestimmte Sichtweise oder Ansichtssache innerhalb einiger Communities gewaltig, und ich möchte dies einfach mal niederschreiben, damit ich das mal los werde🙂

Hintergrund ist der eigentlich recht brauchbar geschriebene Artikel The Perfect Setup for Fedora Core 4. Dort geht es darum, wie man ein Fedora Core 4 schnell und einfach als kompletten Server mit allem drum und dran hochfahren kann.

So weit so gut, was mich aber stört, ist, dass der Autor mitten drin folgenden Satz einstreut:

Since it cares much better for package dependencies than rpm it would be nice if we could use it on our new Fedora system.

Dieses Zitat zeugt von einer gewaltigen Unwissenheit des Autors im Bereich Paketmanagement und Softwareverwaltung. Denn RPM mit apt zu vergleichen ist so, als würde man Transportgut mit einem Lastwagen vergleichen – es macht einfach keinen Sinn!

RPM ist ein Dateiformat, das nur einzelne Softwarepakete zur Verfügung stellt – das entsprechende Gegenstück für Debian heißt am ehesten noch deb. Um diese RPM-Softwarepakete zu installieren, bedient man sich grundlegend des gleichnamigen Programms RPM, dass tatsächlich keine Abhängigkeiten auflösen kann – das Gegenstück aus der Debianwelt dazu ist aber nicht apt, sondern dpkg, das ebenfalls keine Abhängigkeiten auflösen kann!

Erst wenn man jetzt einen Schritt weiter geht, kommt man zu den Programmen, die Abhängikeiten auflösen können – und dort trifft apt schon seit Jahren auf würdige Gegner, nicht zuletzt unter Fedora.

Denn auch wenn die meisten RPM-Distributionen da jeweils eigene Wege gegangen sind, sind doch sehr mächtige Programme entstanden. Das beste ist meiner Erfahrung nach yum für Fedora Core, aber auch urpm (Mandriva) und yast (Suse) sind nicht zu unterschätzen.

Alles in allem ist die glorreiche Zeit, in der nur APT Abhängigkeiten auflösen konnte, vor der Jahrtausendwende untergegangen. Und bitte, bitte, an alle da draußen, die apt so toll finden: wenn ihr wieder mal meint, apt mit rpm zu vergleichen, tut allen Beteiligten den Gefallen, und bleibt still – ihr macht euch nur lächerlich, und nervt Leute, die sich wirklich mal mit der Thematik auseinander gesetzt haben, gewaltig!

So, jetzt geht es wieder besser – vielleicht schaut ja wirklich mal einer der typischen Debian-blinden hier rein, und versteht die richtigen Relationen. Schön wäre es auf alle Fälle…
Und, bevor mich jemand falsch versteht: die Unwissenheit gibt es natürlich auf beiden Seiten, und betrifft eigentlich immer nur eine Minderheit – leider ist die dann gerne sehr laut, und das nervt dann.

Vielleicht kennt ja jemand mit viel Debian-Hintergrund vergleichbare Geschichten aus der Gegenrichtung? Ich wäre dankbar dafür, die mal zu hören zu bekommen🙂