Community am lebenden Exemplar

Immer wieder wird gesagt, dass die Community bei Open Source so wichtig ist, dsas sie alles bewegt, dass man es sich mit ihr nicht verscherzen sollte, etc.

Aber was genau ist die Community? Wie genau schafft Community Mehrwert, was bewirkt sie, und warum macht sie das alles umsonst?

Da ich in den letzten Tagen bei mir selbst beobachten konnte, wie Community wirken kann, will ich versuchen, eine Handvoll Fragen zu beantworten.

Neben den großen, sichtbaren Projekten, in denen große Mengen von Entwicklern und Nutzern Dinge bewegen wie bei SpreadFirefox gibt es noch die kleinen Gruppen, die still für sich, von den meisten Menschen unbemerkt, ihr Süppchen kocht, sich gegenseitig hilft, und so eine kaum zu überschauende, aber sehr feste Basis bilden, auf die sich unbedarfte Nutzer immer wieder verlassen, bis sie selbst Teil davon werden.

Einer dieser Gruppen gehöre ich an: als exzessiver Fedora Core Nutzer lese und schreibe ich immer wieder viel im Fedoraforum herum. Dort kam man dann überein, gesammeltes Wissen und geschriebene Anleitungen in ein Wiki einzupflegen. Eine Idee, welche bei mir sofort auf helle Begeisterung stieß!

Nachdem dann irgendwann die meisten Grundlagen ausreichend behandelt worden waren, ging ich dazu über, Informationen einzupflegen, die ich selbst irgendwann wieder brauchen würde. Zu erst entstand dadurch der Artikel RHEL-Alternativen. Ich wusste, dass ich irgendwann so eine Liste brauchen würde, und erstellte sie, als ich gerade die Zeit und das Wissen hatte. So brauche ich mir nur merken, wo ich die Liste in etwa finde, den Inhalt kann ich wieder vergessen, habe ihn aber durch die Reproduktion zusätzlich noch mal tiefer im Gedächtnis verankert.

Später kamen dann Themen im Forum auf, welche nach dem Abschluss der Diskussion nur noch ins Wiki gegossen werden mussten – da ich wieder mal wusste, dass diese Sachen für mich noch einmal wichtig sein werden, entschloss ich mich, sie ebenfalls ins Wiki zu pflegen, damit ich sie dann zum gegebenen Zeitpunkt dort wieder finde. So entstanden die Artikel Backups und Verschlüsselte Festplatten.

Also, um es genauer zu sagen: eigentlich alles nur Eigennutz: ich wusste, dass andere ebenfalls ein Interesse an den Artikeln haben, entwarf sie also so weit, wie ich es konnte, und andere taten ihren Teil dazu. Jeder eigentlich nur aus purem Eigennutz – aber warum auch nicht, wir haben ja alle ein vergleichbares Ziel, und können problemlos zusammen arbeiten.

Mittlerweile hat es sich bezahlt gemacht: mein Server läuft auf einer stabilen RHEL-Alternative, CentOS, meine externe Festplatte ist mit cryptsetup-luks verschlüsselt, und ich habe eben mein Home-Verzeichnis mit rsync dorthin geschrieben.

Und das alles nicht ohne meine eigene Arbeit, aber auch nicht ohne die Arbeit der anderen Helfer.

Community ist also nicht eine Gruppe von altruistischen Wesen, die nur das Glück anderer wollen, sondern es sind interessierte und neugierige Menschen, die genau wissen, dass sie zusammen weit mehr erreichen, als alleine, und deswegen zusammen arbeiten.
Im Rahmen dessen schaffen sie immer mehr Dinge, die sie für sich haben wollen – sei es aus einer Notwendigkeit heraus, sei es, weil sie es aus Interesse oder Neugierde erschaffen.

Und es funktioniert sehr gut so – Intelligenter Egoismus, quasi🙂

One thought on “Community am lebenden Exemplar”

  1. Hallo Liquidat, phänomenal, dass man hier sogar antworten kann😉

    Für den intelligenten Egoismus gibt es übrigens schon einen anderen schönen Begriff: reziproker Altruismus. Ein Faktor der Gemeinschaften stark macht. Bleibt zu hoffen, dass die Egoisten im engeren Sinne wie SC* und Co, alle Stänkerer in Foren und Wikis – mit und ohne Adminmacht – im Zaum gehalten werden können oder dereinst sogar einsichtig werden und den eigenen Vorteil im Gruppenvorteil erkennen.

    Viele Grüße

Comments are closed.