Etwas Zukunft

In letzter Zeit wird häufig darüber spekuliert, was den Desktop der Zukunft ausmacht – wie der imaginäre Leser weiß, spekuliere ich da gerne ab und an mit🙂

Einige Vorbilder dabei sind dabei das neue MacOSX, alias Tiger, und das neue Microsoft Windows Longhorn. Weitere Dinge, die sich vermutlich auf Dauer auf dem Otto-Normal-Desktop niederlassen werden, sind das Tabbed Browsing, das vor allen Dingen durch den Browser Firefox bekannte wurde, Desktop-Suchmaschinen, wie sie zu erst flächendeckend von Google eingeführt wurden, und vermutlich auch mehr optische Effekte auf dem Desktop, die durch die mittlerweile weit verbreiteten 3D-fähigen Grafikkarten ermöglicht werden.

Was hingegen zur Zeit meiner Meinung nach noch etwas zu selten besprochen wird, ist das Prinzip Datenbank-gestützter Dateisysteme – etwas, das mir wie schon zig mal beschrieben sehr am Herzen liegt.

Es stellt sich bei all diesen Auflistungen aber die Frage, was aus dem Bereich Linux und Open Source kommt – wird es dort ähnliche Innovationen geben? Oder bessere? Gut, Firefox ist Open Source, da kommen schon eine ganze Reihe von Innovationen her, aber was ist abseits davon?
Goolges Summer of Code (Heise-Meldung), ein Wettbewerb, der Open Source Software fördern soll, hat unter anderem einige Menschen rund um KDE angesprochen, klar definierte Projekte in einem abgegrenzten Zeitrahmen in Angriff zu nehmen.
Einige dieser Projekte hören sich dabei sehr gut an:

Z.B. wäre da das Projekt, was sich um die vollständige Integration von Video- und Telefon-Kommunikation in KDE bemüht. Es geht dabei nicht nur darum, dass dies unter KDE möglich wird, sondern dass es die dafür wichtigen Programme direkt auf das KDE Adressbuch zugreifen, bzw. dass man umgekehrt aus dem KDE Adressbuch diese Kontakte dementsprechend anrufen kann. Wichtig ist dabei auch, dass eine Abstraktionsschicht geplant ist, durch die es egal wird, welches Programm man verwendet – eine offene Schnittstelle eben…

Eine andere interessante Kleinigkeit ist eine graphische History des Konquerors, die einem einen kleinen Screenshot der besuchten Seiten plus die Verknüpfung der Seiten zeigt. Dies ist nichts überragendes, sollte aber das Browsen deutlich vereinfachen. Außerdem kann es dann mal Zusammenhänge zwischen den eigenen, wirren Browser-Vorgängen aufzeigen.

Viel interessanter wird es aber, wenn man zu anderen, etwas umfangreicheren Projekten kommt: Da wäre auf der einen Seite Living KDE, ein Programm, dass sich an der Einfachheit von google orientiert, und auf diesem Wege die Informationen auf dem Desktop bereit stellen will. Es kommt damit meinen Träumen von einem einfachen Eingabefenster schon sehr nahe, und weckt diverse Begehrlichkeiten in mir😀

Das zweite Projekt, dem ich mit Sicherheit meine Aufmerksamkeit widmen werde, ist der Label Browser – dieses Programm kommt einem anderen Aspekt schon sehr nahe, den ich mir so sehr wünsche: es geht darum, Programme in Gruppen (mit “Labels” versehen) zu ordnen und in dieser Ordnung schnell und einfach zu suchen.

Tja, wenn jetzt noch die beiden oben genannten Programme in einem Kontext verwirklicht werden würden, in KDE 4 integriert und dann am besten noch dieses Jahr ausgeliefert würden, wäre ich wirklich glücklich mit meinem Desktop😉

Aber irgendwo am Horizont versteckt sich auch noch etwas ganz anderes. Es hat sich ein Projekt gefunden, dass die Nutzung des Desktops grundlegend erweitern und erneuern will: Plasma
Gut, das wollen viele, aber allein, dass einer der Haupt-Entwickler von Plasma, Ryan Nickell, wiederum der Hauptentwickler von Superkaramba ist, wird viele aufhorchen lassen.
Kurz zur Info: Superkaramaba ist ein kleines Programm, das nicht viel mehr tut, als eine Schnittstelle bereit zu stellen – doch diese Schnittstelle ermöglicht es, nahezu beliebige Programme mit variablem Inhalt im Desktop so zu positionieren, dass sie ins Hintergrundbild integriert werden. Sie sind also keine aktiven Fenster, sondern Teil des Hintergrundbilds – aber mit aktiven Hintergründen. Ein Beispiel ist hier zu sehen.
Plasma verspricht damit ebenso, die Desktop-Nutzung auf seine Art und Weise grundlegend zu verändern, was mich sehr freut🙂

Sicher, es werden nicht alle Projekte überleben – einige Programmierer werden den Mut verlieren, andere haben sich schlichtweg übernommen, bei einigen wird es auch im Sande verlaufen.
Doch das ist immer so, und die besten Ideen werden weiter leben – notfalls dadurch, dass jemand anders sie übernimmt. Und es zeigt deutlich, dass die Revolutiond es Desktops nicht MacOS überlassen wird, sondern dass die Open Source Szene schon jetzt eine Menge bereit hält, und bald auch in diesem Gebiet Vorreiter sein wird…
Und ganz nebenbei gibt es mir dann einen Desktop, der die Konzepte von Heute weit hinter sich gelassen haben wird – mich freuts😀