Fedora als Stiftung

Wie auf dem Red Hat Summit mitgeteilt wurde, soll Fedora Core, das Linux-Community-Projekt von Red Hat, auf dem die Enterprise-Produkte von Red Hat aufbauen, in eine Stiftung überführt werden.

Dieser Schritt ist natürlich erst mal zu begrüßen, da er gut klingt, wichtiger aber ist die konkrete Ausgestaltung. Schon immer musste sich das Projekt die Kritik gefallen lassen, dass alle nennenswerten Entscheidungen von Red Hat Mitarbeitern getätigt wurden. Die Mitarbeit der Community ist sowieso erst wirklich in Gang gekommen und bemerkbar geworden, seit die Red Hat Server (und damit auch alle Mirror) offiziell und regulär die Pakete der Community mit hostet.

Wenn nun der Scrhritt dazu führt, dass die Entscheidungen etwas stärker Community-geprägt werden, ohne das Red Hat das Interesse an dem Projekt verliert, ist das sicherlich ein guter Weg, der möglich ist und jedem Vorteile verschafft.
Es stellt sich aber auch die Frage, was noch alles möglich ist:

Ein Weg wäre, auch andere auf Fedora aufbauende Projekte mit ins Boot zu holen: so ist Fedora nicht nur die Basis für Red Hat Enterprise, sondern auch für Aurox, welches sich zwar in letzter Zeit immer weiter entfernt, aber im Rahmen von mehr Mitbestimmung durch eine Stiftung vielleicht auch zu mehr Zusammenarbeit bereit wäre. Ebenso bauen viele Produkte direkt auf den Quellen von Red Hat Enterprise auf. Auch hier wäre es einen Gedanken wert, diese Projekte direkt zur Zusammenarbeit einzuladen und mit diesen gezielt an der Verbesserung von Fedora, von Red Hat Enterprise und damit auch der eigenen Produkte zu arbeiten.

Interessant wird allemal, wie der Schritt von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird: Bis jetzt gab es eigentlich nur eine wirklich große, international entwickelte und freie Linux-Distribution, das war Debian. Nun erscheint mit Fedora eine zweite, aber gänzlich anders geführte Linux-Distribution, welche sich als Community-Distribution präsentieren will, aber andere Schwerpunkte und andere Hintergründe aufweist.
Während hinter Debian keine wirklich große Firma voll dahinter steht, ist zumindest zu erwarten, dass Red Hat weiterhin direkt hinter Fedora steht, das Projekt vorantreiben und maßgeblich beeinflussen wird.
Ich bin auf alle Fälle gespannt, wie es weitergeht🙂

Ach ja, und noch was aus der Ecke Träumereien: Es gibt ja noch weitere Distributionen, die fürher mal auf Red Hat aufbauten, bzw. die aufgrund der Paketstruktur gewisse Ähnlichkeiten mit Red Hat haben. Man stelle sich mal vor, dass z.B. Mandrake oder aber Novell/Suse auf den Zug aufspringt, und seine eigene Distribution dauerhaft auf dem selben Ursprung aufbaut.
Das würde eine enorme Einsparung auf den Seiten der Distributoren und somit einen enormen Gewinn für diese bedeuten.
Hinzu kommt, dass so auch die Kompatibilität leichter gewährleistet werden könnte.

Als großer Nachteil wäre aber zu befürchten, dass sich dann das Lager der Linux-Nutzer in Debian hier und Fedora dort spalten würde.
Nur denke ich, dass man bei solchen Gegenargumenten einfach zu schnell vergisst, dass es weit mehr als zwei Seiten bei Linux gibt: Gentoo, Slackware, LSF, Gobo, Crux, Yoper, Arch, …