Diskussion um Open Source

Die eigentliche Diskussion ist alt, doch flammt sie immer mal wieder auf: kann man mit Open Source Geld verdienen? Und wenn ja, kann man auch innovative Software schreiben?

So absurd manch einem Open Source-Softwarenutzer diese Frage erscheint, so häufig wird sie diskutiert.
Hintergrund ist, dass viele bekannte Open Source Produkte sich unter anderem darauf konzentrieren, schon vorhandene Funktionen und Programme nachzuprogrammieren und zu kopieren, und dass die Philosophie, etwas kostenlos weg zu geben, nicht gerade nach dem großen Geld klingt.

Neuen Wind erhielt die Diskussion jetzt durch ein Interview mit McVoy, dem Chef der Firma BitKeeper, in dem dieser behauptet, dass Open Source Software nicht genug Geld hervorbringen kann, um echte, innovative Software zu erzeugen.
(Kurz als Hintergrund: BitKeeper stellt eine Software her, die es vereinfacht, bei der Entwicklung von Software die unterschiedlichen Entwicklungsstadien des Programms zu verwalten.)
Viele sind sofort auf den Zug um diese Thematik aufgesprungen, und haben ihre Lösungen und Meinungen parat – ich übrigens auch🙂

Was also ist dran?
Geht man das Interview durch, erscheint vieles sinnvoll. Wie soll es auch schon möglich sein, durch Software Geld zu verdienen, wenn man die einfach weitergibt? Woher soll dann die Innovation kommen, wenn nicht durch Leute, die dafür bezahlt werden?

Ein Beispiel für eine typische Open Source Firma, die keine Innovationen hervor bringe, sei Red Hat. McVoy fragt nach auch nur einer einzigen echten Innovation, die Red Hat hervor gebracht habe.
Dies ist ein interessanter rhetorischer Schachzug, lässt er doch den Unwissenden Leser in dem Glauben, dass es so schon schwierig sei, irgendeine Innovation bei Red Hat zu finden. Des Weiteren nutzt er sich die Möglichkeit, “echte Innovation” selbst frei zu definieren, und gegebenenfalls darauf hinzuweisen, dass bestimmte Innovationen ja nicht echt seien.
Ich bin selbst fast darüber gestoplpert, und habe etwas gezweifelt, in wie weit Red Hat denn überhaupt innovativ sei – ist Red Hat eventuell doch nicht so gut, wie viele glaubten?
Doch der Schein trügt. Red Hat ist zu erst einmal eine Firma, die vor allen Dingen Service-Lösungen anbietet. Red Hats Ziel und auch Nische, in der es arbeitet, hat nicht wirklich viel damit zu tun, völlig neue Sachen zu erfinden, sondern bekanntes sinnvoll umzusetzen, stabil zu präsentieren und Support zu leisten – nichts anderes tut Red Hat, und das sogar sehr gut.
Außerdem muss man Red Hat zu Gute halten, dass sie parallel durchaus ihr Produkt weiter entwickeln – SELinux, eine spezielle Sicherheitsfunktion für Linux, die von der NSA entwickelt wurde, wurde erstmals von Red Hat sinnvoll in eine Linuxdistribution eingebaut. Auch arbeiten viele Red Hat Entwickler am Kernel, am GCC und an anderen Open Source Projekten mit. Es ist da zwar häufig eine Arbeit an bestehenden Produkten, um diese zu erweitern und zu verbessern, aber das macht diese Arbeit ja nicht schlechter.
Eine ganz andere Innovation, auf die ich erst durch einen Slashdot Kommentator gekommen bin, ist RPM. Es heißt nicht umsonst Red Hat Package Management.

Doch hier könnte McVoy argumentieren, dass das alles nicht wirkliche Innovationen wären, dass das alles nichts real neues gewesen wäre (womit er in Teilen Recht hat, was aber die Frage aufwirft, was dann seine Firma wirklich innovatives hervorbringt).

Um dem aber eine nächste Art von Open Source Firma entgegen zu setzen, bediene ich mich einer anderen, europäischen Firma: Trolltech.
Trolltech entwickelt Entwicklungsumgebungen und Programmbibliotheken für die Programmiersprache C++, und ist damit sehr erfolgreich.
Dort findet ständig neue Innovation statt, denn darum geht bei dem Geschäftsbereich der Firma: Entwicklung neuer Dinge, um diese wieder an den Kunden zu bringen.
Dabei werden diese neuen Dinge unter anderem auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, die dieses wiederum nutzt, um damit z.B. KDE zu programmieren.

Allgemein aber muss ich zu der ganzen Diskussion sagen, dass ich nicht glaube, dass die echten Innovationen immer nur aus Firmen kommen: die meisten Innovationen, die wirklich bahnbrechend neuen Sachen kommen aus den Köpfen irgendwelcher Leute – wo diese sitzen, ist unterschiedlich.
Viele von ihnen schaffen es vermutlich nicht einmal, genug Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zu erzeugen, bzw. anderen Leuten klar zu machen, was sie da erfunden haben, weswegen vermutlich die meisten Neuerungen wieder in der Versenkung verschwinden.
Einige andere wenden sich an Firmen oder Institute, um über die Innovation zu reden, und wieder einige andere versuchen auf eigene Faust, ihre Ideen teilweise umzusetzen, um so andere darauf aufmerksam zu machen, und mit diesen weiter zu arbeiten und die Idee auszubauen.

Welcher Weg der Beste ist, sei dahin gestellt – aber es gibt auf beiden Seiten gute Beispiele, die zeigen, dass beide Wege funktionieren.
Deswegen sollte man mit McVoy vorsichtig umgehen, denn es scheint eher so, als wenn er einfach in der Presse bleiben und seine Firma bekannt machen möchte. Das sollten wir ihm nicht gönnen😉